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  • Wir wollen Bewerber, keine Bewerbungsmappen – Die Blitzbewerbung startet durch
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Lesedauer: ca. 5 Minuten

Als wir vor ein paar Jahren anfingen unsere Bewerbungszahlen detailliert auszuwerten, fielen uns schnell ein paar interessante Dinge auf, die uns vorher gar nicht so bewusst waren…

Klar, die Bewerbungszahlen nehmen ab, aber das war ja nichts Neues. Auch dass wir mindestens zwei unterschiedliche Zielgruppen beim Ausbildungsmarketing haben, die darüber hinaus bei der Ausbildungs- oder Studienplatzsuche nicht nur unterschiedlich alt und selbstständig, sondern auch unterschiedlich internetaffin sind, war uns nicht neu (Abiturienten und MSA-Absolventen). Was uns aber etwas beunruhigte, war der Fakt, dass wir einige Berufsbilder anbieten, die wesentlich schlechter als die anderen nachgefragt werden. Und dazu noch jedes Jahr etwas weniger. Da hatten wir also unsere große Baustelle.

Als ich dann im letzten Jahr mit einer Kollegin auf einem Workshop zum Thema „Azubimarketing“ war, wurde dort ziemlich schnell über den demografischen Wandel und die aktuellen Erfahrungen mit den Bewerbern diskutiert.

Und wie sich die Zeiten verändert haben: Man vermisse gute Bewerbungsschreiben und man hat immer mehr mit mangelnder Schulbildung zu tun. Kaum ein Bewerber ist noch in der Lage, wirklich gute Bewerbungsschreiben zu formulieren, die Rechtschreibkenntnisse sind schlechter als damals und die Schulnoten ebenso. Überhaupt war ja früher alles besser…

Das mag vielleicht auf einige Bewerber und Bewerberinnen mehr zutreffen als damals, aber schnell haben meine Kollegin und ich uns gefragt, was diese Diskussion eigentlich ändert – nämlich nichts. Vielmehr müssen wir uns auf die Bewerber und Bewerberinnen einstellen und ihnen gegebenenfalls noch mehr entgegenkommen.

Während also alle leidenschaftlich diskutierten, warum das so ist, überlegten wir lieber, was wir als Unternehmen machen können, um die Hürde, sich bei uns zu bewerben, zu senken. Schließlich brauchen wir ja Bewerber, um unsere Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Fragen, die wir uns in diesem Zusammenhang stellten, waren:

- Sind wirklich alle Bewerber gleich internetaffin?

- Können alle mit Online-Bewerbungssystemen umgehen? Oder wollen die das überhaupt? (Sowas kann ja zeitaufwändig sein, gerade, wenn man sich bei mehreren Unternehmen
bewirbt.)

- Weiß jeder, wie man aus einem Papierzeugnis oder unterschiedlichen Dateiformaten ein handliches PDF macht?

- Wie viel Eigenleistung steckt hinter der Bewerbung?

- Ist das Anschreiben von Neuntklässlern tatsächlich aus der eigenen Feder oder vielleicht doch aus dem Internet? Und macht es dann eigentlich noch Sinn, ein Anschreiben zu verlangen, wenn der Text bei den meisten sowieso den gleichen Inhalt hat?

- Was steht denn so wichtiges im Lebenslauf eines Haupt- oder Realschülers, das für eine Bewerbung unbedingt von Belang wäre?

- Ist es vielleicht Zeit, mal was Neues zu probieren?

Ein weiterer Punkt, der dafür spricht, ist der Umstand, dass bei nur wenigen Bewerbungen für einen Beruf die Auswahl der Bewerber so gering ist, dass aus praktischen Gründen meist alle Bewerber und Bewerberinnen zum Einstellungstest eingeladen werden. Ganz egal, wie aussagekräftig das Anschreiben ist. Warum dann also noch darauf bestehen? Und wenn wir mal ehrlich sind, wir wollen doch Bewerber und keine Bewerbungsmappen, oder nicht?

So kamen wir auf die Idee, für ausgewählte technische Berufe (also die, für die wir zu wenig Bewerbungen bekommen) eine Art Instant-Bewerbung zu entwickeln. Dabei handelt es sich um ein vorgefaltetes, analoges Formular, das an einem frankierten Umschlag hängt. Mit unserer „Blitzbewerbung“ können unsere Bewerber eine vollwertige Bewerbung in unter 10 Minuten erstellen. Und das ganz ohne Rechner oder Hilfe vom Internet und den Eltern. Es werden lediglich die Formularfelder für die Stammdaten ausgefüllt (Name, Adresse, Foto, Kontaktdaten, Schulabschluss & Datum des Abschlusses, Erfahrungen aus Praktika), der Ausbildungsberuf angekreuzt, die letzten Zeugniskopien im Umschlag verstaut, und dann ist die Bewerbung auch schon fertig. Nur noch in den Briefkasten! Warum sollte man sich bei uns nicht bewerben, wenn das so einfach ist?

Mittlerweile sind die Prototypen der Blitzbewerbung gedruckt und die ersten Exemplare bereits verteilt. Erstmalig wollen wir in diesem Jahr testen, ob unser Plan aufgeht und wir dadurch für unsere „Problemberufe“ mehr Bewerbungen erhalten. Und damit wir wissen, welche Messen, Veranstaltungen oder Verteilungskanäle am erfolgreichsten waren, haben wir alle Prototypen selbstverständlich durchnummeriert.

Wir sind gespannt, ob unsere Idee aufgeht. Zumindest die ersten Rückmeldungen von der Ausbildungsmesse vor zwei Wochen waren jedenfalls schon mal sehr gut!

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